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Interviews/Berichte

FANCLUB DER WOCHE: 300 Kilometer für ein Heimspiel

Geschrieben von: Jonas Keinert   
Donnerstag, den 17. Februar 2011 um 06:39 Uhr

Fahnen-2709-021899aktuell.de stellt den "1899 Fanclub Colonia" vor und was es heißt Hoffenheim-Fan in Köln zu sein

 

Am Samstag kommt es zum Duell Hoffenheim gegen Köln. Für einige TSG Fans ist das ein ganz besonderes Spiel unter besonderen Umständen. Der 1899 Fanclub Colonia ist Hoffenheims einziger Fanclub im Großraum Köln. Das ist nicht immer einfach: "Wir sind nicht gerade beliebt hier. Gerade nach Spielen gibt es reihenweise Einträge in unser Gästebuch, die weit unter der Gürtellinie sind, aber da stehen wir drüber", erzählt die erste Vorsitzende Nadine. Ihren Nachnamen will sie - auch auf der eigenen Fanklub-Homepage - lieber nicht nennen. "Auf der Homepage sind nur die Vonamen, das ist in Köln zu gefährlich. Am Anfang waren auch die Nachnamen drauf, da habe ich oft Schreiben im Briefkasten gefunden, die relativ aggressiv waren."

Es ist nicht leicht, in der Domstadt die Farben der TSG zu vertreten. "Es ist schwierig. Ich bin immer auffallend gekleidet mit Perrücke und in Blau. Aber ich habe auch einen Frauen-Bonus", erzählt Nadine von ihrem Outfit an Spieltagen. Die männlichen Mitglieder geben sich in Köln auf der Straße schon zurückhaltender:  "Andere achten mehr darauf, dass sie nur einen Schal tragen. Du kriegst richtig Ärger und musst schon darauf achten, wo Du hin gehst. Es gibt Kneipen, da ist Ärger vorprogrammiert." Trotzdem stehen sie zur TSG: "Aber wir verteidigen natürlich die Farben, ganz klar!" Verbal - wohlgemerkt!

Und die Hoffenheimer Enklave nimmt noch mehr auf sich. Rund 300 Kilometer fahren die Kölner für ein Heimspiel ihrer TSG. "Das ist schon eine Strecke jedes Mal", gibt Nadine zu. "Wir sind mit dem Auto oder dem Zug schon drei bis vier Stunden unterwegs." Eine Dauerkarte lohne sich deshalb nicht. "Im Schnitt sind wir in zehn Heimspielen pro Saison im Stadion. Wenn, dann haben wir meistens Sitzplätze, aber wir versuchen wenigstens immer in der Nähe von Block T oder am Fanblock zu sein."

Nicht nur in Sinsheim sind die Fans dabei: "Wir fahren deshalb auch häufiger auf Auswärtsspiele. Mönchengladbach, oder Dortmund sind von Köln aus schnell zu erreichen." Schneller als Sinsheim jedenfalls und dennoch schlägt das Herz für die TSG und nicht für einen Klub aus dem Umland.

"Ich komme eigentlich aus der Nähe von Hoffenheim. Meine Eltern wohnen noch dort", erzählt Nadine, die vor zehn Jahren nach Köln zog. "Wir haben uns immer die Spiele angesehen und irgendwann kam uns die Idee, einen Fanclub zu gründen. Wir sind sowieso immer zu den Spielen gefahren." 30 Mitglieder fasst der Fanklub mittlerweile, nicht alle können es sich zeitlich leisten, regelmäßig im Stadion zu sein.

Auch einen regelmäßigen Treff, oder gar eine Fankneipe in Köln, gibt es noch nicht. Der Fanklub befindet sich noch im Aufbau. "Wir bekommen immer mehr aktive Mitglieder", freut sich Nadine über die Entwicklung. "Es ist nur schade, wenn manchmal der Eindruck entsteht, wir würden nur auf der Erfolgswelle mitreiten", sagt Nadine über den jungen Fanklub. "Als Hoffenheim noch in der Landesliga auf dem Boltzplatz gespielt hat, da hat sich hier ein Fanklub einfach noch nicht gelohnt. Aber auch damals habe ich die Spiele schon mit verfolgt."

Nun lohnt sich aber ein Fanklub, auch im fernen Köln. "Bei uns kann jeder Mitglied werden. Wir haben auch keinen speziellen Beitrag", wirbt Nadine. Kontakt kann man über die Homepage des Fanklubs unter www.1899hoffenheim-colonia.de aufnehmen. Dann sollen auch weitere Fanartikel und eine eigene, große Fahne folgen. "Aber so eine große Fahne ist natürlich teuer und lohnt sich auch erst, wenn regelmäßig jemand von uns im Stadion dabei ist", sagt Nadine.

Am Samstag ist sie dabei. Und trägt die Fahne des befreundeten FC 1899 Berlin X-Berg in die Arena. "Sie haben schon einen festen Platz auf dem Rasen. Wir haben eine Fanklubfreundschaft mit den Berlinern und treffen uns auch ab und zu", sagt Nadine. Das Einlaufen in die Arena am Samstag ist für sie ein Highlight. "Als Kölnerin macht das natürlich doppelt Spaß."

Und für den Spielausgang ist sie auch optimistisch: "Ich tippe auf ein 3:1. Nach der Klatsche gegen Bayern rappeln sich die Jungs jetzt wieder auf. Ich glaube, dass wir die Kölner Erfolgswelle brechen und gewinnen." Nur dann könnte es für Nadine in Köln wieder ungemütlich werden. "Ich glaube, wenn das passiert, dann habe ich hier im Büro am Montag einen schweren Stand." Aber sie wird trotzdem für ihre TSG die Daumen drücken.